Cristo nell'Orto , 1718, Oratorium  

Johann Joseph FUX

 

Inhaltsanangabe

Die Personen   

                

Christus

Die göttliche Liebe zu den Menschen

Die göttliche Gerechtigkeit

Eine Seele in Betrachtung

Ein Engel, der Christus stärkt

Ein Chor der Engel

 

Christus, der menschgewordene Sohn Gottes, von unendlicher Liebe zum undankbaren und sündhaften menschlichen Geschlecht entflammt, beginnt heute im Garten Gethsemane das unbegreifliche Werk der Erlösung, durchdrungen von blutigem Angstschweiss.

Christus bittet seinen göttlichen Vater, den bitteren Kelch, angefüllt mit unzählbaren Sünden, von ihm wegzunehmen. Aber die göttliche Gerechtigkeit hatte den Entschluss von Ewigkeit an so gefasst, sodass er Christi Bitte nicht erhören konnte. Christus beklagt sich nicht, sondern spricht die demütigsten Worte: Vater, dein Wille geschehe.

Der mit höllischer Eitelkeit aufgeblasene Mensch betet zu Gott und entrüstet sich, weil der Vater Christi Bitte nicht erhört. Der Sünder, der selber die Strafen der Hölle verdient hätte, schreit flehentlich zu Gott und murrt wider seinen Schöpfer.

Die göttliche Liebe lädt das gesamte menschliche Geschlecht zur Betrachtung seiner Schuld ein. Sie stellt ihm den leidenden Heiland vor, damit ein jeder sehe, wie Christus die Schuld unseres Urvaters Adam so willig auf sich genommen und damit uns alle als seine liebsten Kinder angenommen hat. In unerschöpflichen Güte gibt sich unser Heiland im Heiligen Abendmahl zur geistlichen Speise unsrer armen Seelen hin, zur Stärkung unserer angeborenen Schwäche.

 

Während eine christliche Seele diese unermessliche göttliche Gnade betrachtet, seufzt sie reumütig über ihre bisherige Undankbarkeit. Sie wünscht, dass die kostbaren Tropfen des Allerheiligsten Blutes den Felsen ihres steinharten Herzens erweichen mögen, damit dieses in reumütigen Liebestränen zerfliesse. Christus freut sich nunmehr über sein unmenschliches Leiden, er geht willig in den allerbittersten Tod, da er das reumütige Mitleiden dieser christliebenden Seele spürt.

Die göttliche Gerechtigkeit wird durch das bittere Leiden und Sterben unseres Erlösers zwar versöhnt mit den Menschen, bedroht sie aber zugleich der allerstrengsten Rache, wenn sie die göttlichen Gnaden mit Undankbarkeit vergelten würden. Alle Blutstropfen, die für das Heil der Seelen so reichlich geflossen sind, würden sich in viele Blitz- und Donnerkeile verwandeln, um die Seelen in den tiefsten Abgrund der Hölle zu stürzen.

                                                                                                       

                                                                                                                                                                                     (frei nach einer zeitgenössischen Quelle)

 

Der Librettist Pietro Pariati überrascht durch die Leichtigkeit, mit welcher er die theologischen Überlegungen und die katholische Lehre in Verse zu fassen vermag. So wird Christus, der über seine Bestimmung als Erlöser meditiert, nicht nur von dem tröstenden Engel, sondern auch von einer kontemplativen Seele sowie von den allegorischen Figuren der göttlichen Liebe und der göttlichen Gerechtigkeit begleitet. All dies ist gut strukturiert, dank starker Gegensätze (z.B. zwischen dem sündigen Adam und dem neuen Adam, der Christus selbst ist), zahlreicher Parallelen und Summationsschema. Eine wirksame Rhetorik schmückt die extreme Strenge des Katechismus.