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Über die Freiburger Karwochenkonzerte

 

Wer hätte sich im Frühling 1986 vorstellen können, dass mit dem Mythos der Passion Christi eine lange Geschichte beginnen würde. Es brauchte wohl einen Anstoss des Genies Mozart und seines Oratoriums Davidde Penitente mit seinem berühmten Requiem an einem Gründonnerstag, um diese schöne Geschichte ins Rollen zu bringen.

Zehn Tage vor dem Konzert waren alle Plätze reserviert. Schnell wurde eine Zusatzveranstaltung für den Karfreitagvormittag organisiert, die einzige Zeit, die für das Orchester und die Solisten möglich war. Das war gewagt, aber die Kirche des Kollegiums St.Michael in Freiburg war an diesen zweiten Konzerttag erneut voll besetzt. Die Geschichte der Karwochenkonzerte mit ihren Aufführungen am Gründonnerstagabend und am Karfreitagvormittag war geboren.

Yves Corboz, Gründer und künstlerischer Leiter der Freiburger Karwochenkonzerte (KWK), hat eine innovative künstlerische Politik entwickelt. Diese basiert auf der Wiederentdeckung des geistlichen Repertoires des 17. und 18. Jahrhunderts, das hauptsächlich auf historischen Instrumenten gespielt wird. Es werden seltene klassische Werke gespielt. So haben die KW K bei der Erforschung dieses spezifischen Repertoires gut fünfzig Partituren zu neuem Leben erweckt, manchmal sogar als Schweizer Uraufführung.

Nachdem der Chor des Konservatoriums Freiburg während fast zwanzig Jahren die KWK bereicherte, übernahmen die Sängerinnen und Sänger sowie Instrumentalisten der Capella concertata und haben sich zunehmend professionalisiert. Die meisten Instrumentalisten gehörten bereits zur Elite der schweizerischen und internationalen Musiker, die sich auf alte Musik auf historischen Instrumenten spezialisierten, wie zum Beispiel Chiara Banchini, die mit ihrer fachkundigen Unterstützung mehrmals zum Erfolg der schönsten Werke der KWK beigetragen hat.

Abgesehen von den bekanntesten Werken des Repertoires, wie den Passionen von Bach Vater und Sohn, haben die KWK manchmal auch weniger bekannte Partituren von Händel, Haydn, Mozart oder Telemann eingespielt. Die KWK haben auch einige Ausflüge in das 19. Jahrhundert gemacht, mit Werken von Gounod, Liszt, Mendelssohn oder Rheinberger. Das Programm der KWK zeichnete sich jedoch hauptsächlich durch die Entdeckung wertvoller musikalischer Perlen und durch die Wiederentdeckung von vergessenen Meisterwerken aus. Dies trug dazu bei, Komponisten wie Emanuele d'Astorga, Luigi Boccherini, Antonio Bononcini, Carl Heinrich Graun, Johann Adolf Hasse, Reinhard Keiser, Nicola Porpora, Giuseppe Sellitto, Gottfried Heinrich Stölzel, Tommaso Traetta, František Tůma, ... ans Licht zu holen.

Die Organisation der KWK wird seit 2004 vom Verein der Freunde der Karwochenkonzerte (FKWK) übernommen, deren Komitee sich sowohl um die administrative Verwaltung, die Öffentlichkeitsarbeit, die logistische Organisation als auch um das Fundraising kümmert.

So wird das Abenteuer KWK dank des unermüdlichen Einsatzes eines ehrenamtlichen Komitees, dank institutioneller oder privater Sponsoren, dank der Freunde der Karwochenkonzerte und vor allem dank eines neugierigen und treuen Publikums Jahr für Jahr erneuert und fortgesetzt, mit der gleichen Liebe und Leidenschaft wie in der ersten Stunde, damit jede Ausgabe weitere Entdeckungen und erneute musikalische Emotionen ermöglicht .

Dominique Gachoud